Gielinor Herold
Ausgabe #9 13.06.2010

Die Inflation, die keine ist

Deville


Wie die Läden in RuneScape die Wirtschaft beeinflussen

Früher war alles anders...

Ursprünglich hatten die Läden in RuneScape 2 bis im Herbst 2007 eine gewisse Grundmenge an Gegenständen. Wenn man nun mit dem Laden handelte, fiel der Preis beim Verkauf und stieg, wenn man einkaufte. Ganz ähnlich wie es heutzutage auch ist, bloss handelten alle Spieler einer Welt zusammen. Wenn also jemand einem Laden ein paar Stiefel verkaufte, konnte ein anderen Spieler diese danach von diesem Laden erwerben. Der Vorrat war jedoch limitiert. Dies machten sich Makroroboter zunutze, indem sie vor allem in Magieläden sämtliche Runen aufkauften und dadurch deren Verfügbarkeit künstlich einengten.
 

Unlimitierte Vorräte

Als Jagex im Herbst 2007 die unlimitierten Vorräte einführte, konnten die Roboter die Waren nicht mehr ausdünnen und ihre Profite im echten Leben (sogenanntes RWT, real world trading) sanken. Die unlimitierten Vorräte waren also, genau wie die Abschaffung der Wildy, ein Schlag gegen dubiose Geschäfte in der realen Welt. Doch die Grundsätze der realen Wirtschaft machen auch vor Runescape nicht halt. Einer davon lautet: Von nichts, kommt nichts, weshalb unlimitierte Rohstoffe auf Dauer auch keine Lösung sein konnten....
 

Eine neue Lösung muss her

Durch die unendlichen Vorräte von gewissen Gegenständen entstanden diverse Balanceprobleme, weshalb Jagex die Läden am 2. September 2009 erneut änderte und die unendlichen Vorräte abschaffte indem personalisierte Läden eingeführt wurden. Jeder Spieler handelt nun so zu sagen mit sich selbst und kann somit nicht mehr auf die von anderen Spielern im selben Laden verkauften Gegenstände zugreifen. Weiter sind die Bestände in diesen Läden stark begrenzt.
 

Das führte zu einem massiven Preisanstieg von Gegenständen, die bis dahin zum Grossteil in den Läden gekauft wurden, da sie anderweitig schwer zu beschaffen waren.
 

Die Pizza Margherita ist so ein Gegenstand. Sie wurde in der Kriegergilde in massiven Mengen gekauft und entweder verkauft oder mit weiteren Zutaten belegt. Pro Spieler sind nun nur noch 10 Stück für je 200 GM verfügbar, was viele dazu animiert, es in der Grossen Markthalle zu probieren. Da verkauft aber so gut wie niemand Pizza Margherita, da viele Spieler es bevorzugen, sie selber weiter zu verarbeiten. Zudem existierte bis am 3. Dezember eine Preisobergrenze von 300 GM, was es noch unattraktiver machte, Pizzen in der Grossen Marthalle zu verkaufen.
 


MH Graph Pizza
Preisverlauf der Pizza Margherita an der Grossen Markthalle vom 23. Mai bis am 19. November 2009 -runescape.com

Jagex hat zum Glück eingesehen, dass eine solche Preisobergrenze der Wirtschaft schadet und dem Preis entsprechend mehr Spielraum gegeben. Das dies dringend nötig war kann man am folgenden Graphen deutlich erkennen: Nachdem die Preisobergenze aufgehoben wurde stieg der Preis nochmals um beinahe 300%.
 


MH Graph Pizza ohne Obergrenze
Die weitere Entwicklung des Preises derselben Pizza nachdem die Obergrenze aufgehoben wurde -runescape.com

Ein weiterer Gegenstand der vom Ladenupdate stark betroffen ist sind die Breitbolzen. Im Gegensatz zu Pizza, die eigentlich immer noch jeder selber herstellen kann, sind unfertige Breitbolzen ausschliesslich bei einem Berserkermeister kaufbar und auf 3'000 Stück in 24 Stunden limitiert. Das führte ebenfalls zu einem massiven Engpass und einem nicht minder massiven Anstieg des Preises der fertigen Breitbolzen.
 


MH Graph Breitbolzen
Preisverlauf fertiger Breitbolzen vom 23. Mai bis am 19. November 2009 -runescape.com

Hier kommt noch hinzu, dass sehr viele Spieler Breitbolzen brauchen, aber nur ein recht kleiner Teil die Möglichkeit hat, sie zu fertigen und erst noch lediglich 10 Stück pro Klick, „X herstellen“ gibt es bei den Breitbolzen nicht, was wiederum einige davon abhält, welche herzustellen.
 

Inflation?

Bei diesen Preisanstiegen denken viele Spieler an Inflation, doch die Ursachen und der urplötzliche Anstieg der Preise sprechen ganz klar dagegen. Es handelt sich hier um eine Verknappung der Ressourcen, weswegen die Nachfrage grösser ist als das Angebot. Sollte das Angebot von Jagex hingegen wieder erhöht werden, werden die Preise wieder fallen. Anstatt die Anzahl in den Läden zu erhöhen wären auch alternative Beschaffungs- und Herstellungsmethoden oder Belohnungen in Minispielen denkbar.
 

Fazit

Die Wirtschaft in Runescape ist in einem heiklen Gleichgewicht zwischen Handelsfreiheit und Marktregulierung. Jagex versucht durch verschiedene Massnahmen den Spielern und der Wirtschaftsentwicklung an der Markthalle möglichst viel Freiheiten zu lassen, in dem Preisobergrenzen und manipulationen möglichst vermieden werden. Und gleichzeitig müssen die Mechanismen der freien Marktwirtschaft dermassen konzipiert werden, dass RWT und ähnlicher Missbrauch des Spiels verhindert werden können.

Die Einführung von personalisierten Läden war sicher ein Schritt, dessen Auswirkungen auch Monate danach noch nicht voll abzugrenzen sind. Obige Graphen zeigen aber auch, dass die Wirtschaft in Runescape durchaus in der Lage ist, sich neuen Gegebenheiten anzupassen. Und auf diese Anpassungsfähigkeit lässt es sich weiterhin bauen, handeln und profitieren!

In diesem Sinne: Ein frohes neues Wirtschaftsjahr in Runescape 2010!

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